Der Router – die Planung und Durchführung

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Jetzt gilt es erst einmal, Gehirnschmalz zu investieren und Zeit. Was brauche ich alles? Die Hardware hab ich da, aber wie richte ich fli4lein? Man lädt sich von der Webseite das Kernstück herunter, das „base“heißt und am besten die Dokumentation. Dort und auch auf der Webseitesteht, wie man Winzip konfiguriert, um das Paket fehlerfrei zu entpacken. Je nachdem, wohin man das entpackt hat, findet man jetzt unter x:/meinverzeichnis/fli4l-3.0.0/config die erste Konfigurationsdatei vom base-Paket: base.txt. Mit dem Wordpad angeschaut sieht das ganz schön unübersichtlich aus, also besorge ich mir das Programm Fli4LEd, mit dem man sehr übersichtlich auf die Konfigurationsdateien (deren es immer mehr werden, je mehr Optionen man installiert) zugreifen und sie editieren kann. Jetzt sieht die Datei schon anders aus, und mit der
Dokumentation in einem Fenster und dem Editor im anderen hangele ich mich durch die Basiskonfiguration durch. Und nun kommt der erste Versuch, eine Diskette zu erstellen, eben die, die später den Router booten wird. Ein paar Klicks nach Anweisung und *wusch*, da ist die Diskette. Jetzt kann ich zum ersten Mal den Rechner damit booten und
schauen, was mich da so erwartet. Monitor und Tastatur ran, gebootet und *wow!*, da erscheint mir tatsächlich zum ersten Mal das Menue, weiß auf schwarz. Na prima, das klappt ja schonmal. Die zweite Netzwerkkarte ist noch unterwegs, aber die eingebaute hab ich richtig eingestellt und sie wurde auch gleich gefunden. Das ging ja leicht. Also, was brauche ich noch?

Jetzt kann ich mir also die Zusatzpakete herunterladen, die ich noch benötige, als da wären:

  • dsl – weil ich ja einen DSL-Anschluss habe,
  • isdn – weil der Router Faxe und Telefonate über die FritzCard entgegennehmen soll,
  • usb – weil die FritzCard eine externe FritzCard USB ist und der USB-Anschluss konfiguriert werden muss,
  • httpd – damit ich den Router von den Clientrechnern über ein Webinterface überwachen kann,
  • hd – damit ich fli4l von der Festplatte laufen lassen kann,
  • sshd – ein ssh-Server zur Fernwartung,
  • dhcp – macht den Router zum DHCP-Server,
  • vbox – macht den Router zum Anrufbeantworter,
  • lpdsrv – damit kann der Router auch als Druckerserver agieren,
  • faxrcv – damit kann der Router Faxe empfangen,
  • mtgcapi – ermöglicht es, Faxe von allen Clientrechnern zu verschicken.

Spätestens jetzt wird mir klar, was ich mir da eingebrockt habe … jedes dieser Pakete enthält eine Konfigurationsdatei, die angepasst werden will, mal mit mehr, mal mit weniger Aufwand. Ich installiere erst einmal die, die mir am wichtigsten sind (die anderen passen auch nicht auf die Diskette): base, dsl, sshd, httpd und hd. Dabei lese ich verdammt oft die Dokus. Wenn ich einen logischen Fehler mache, wird mir das während der
Kompilierung der Startdiskette angegeben und der Prozess wird abgebrochen. Aber schließlich bin ich so weit, die wichtigsten Pakete richtig konfiguriert zu haben und ich kann das Ganze auf die Festplatte bannen. Noch ist der Router aber kein Router, noch geht es nicht nach draußen … erst einmal stelle ich eine Verbindung zwischen meinem
Rechner und dem Router her und schaue mit Putty, was der Router so treibt – denn er arbeitet jetzt ohne Monitor. Den brauche ich an meinem Arbeitsrechner. Und siehe da, dort ist es, das Menue weiß auf schwarz! Die Verbindung zwischen dem Router und meinem Rechner steht!

An diesem Abend bin ich alleine, und ich beschließe, mutig zu sein! Ich stelle den Zyxel-Router um auf Modembetrieb, stöpsele ihn an den fli4l-Router, dann kommt mein Rechner dran, der Router wird hochgefahren und – hossa! Ich habe meine erste DSL-Verbindung über meinen neuen Router! Jetzt installiere ich isdn, usb und vbox und rufe mich mit dem Handy auf der Festnetznummer an. Und siehe da, auch das funktioniert! Beide Telefonnummern werden angesprochen, und wenn ich lange genug warte, wird für jede eine eigene Ansage abgespielt. Und nachdem ich faxrcv
aufgespielt habe, empfange ich auch Faxe mit dem guten Stück! mtgcapi ist etwas fummelig zu installieren, aber wenn man die Dokumentation gründlich liest, kommt man auch da durch. Allerdings braucht es jetzt noch einen Client, mit dem man die Faxe verschicken kann. Ich teste gerade PCphone Fax-Office, das mir sehr gut gefällt. Die Testversion funktioniert, aber auf jedem Fax, das man versendet steht in einem Kasten, dass man mit einer Testversion arbeitet. Wenn ich kein besseres Programm finde,
werde ich die 38 Euro für die Registrierung wohl bezahlen. Schließlich hat mich der Rest ja fast nichts gekostet.

Die Einrichtung des Druckerservers lpdsrv war dann noch einfacher, als ich dachte. Ich habe zwei Drucker zu versorgen, am Router ist natürlich nur eine parallele Schnittstelle.
Aber es gibt Adapterkabel, die von parallel auf USB gehen oder – wie in meinem Fall – direkt vom Drucker, also Centronics auf USB. Da der Router zwei USB-Schnittstellen hat, hängt an der einen jetzt die FritzCard, an der anderen ein Drucker. Wie man die Drucker auf den Clientrechnern installiert, ist prima beschrieben und somit war ich fast fertig.

Als kleines Schmankerl hab ich mir noch chrony installiert, dass bei jeder Einwahl des Routers (da ich eine Flatrate mit kurzer Zwangstrennung habe, ist das alle 24 Stunden einmal) die Uhrzeit über einen Zeitserver aktualisiert.

Zur Administration nimmt man wohl üblicherweise imonc, das bei mir rätselhafterweise nicht läuft. 🙁 Stürzt immer ab, das gute Stück. Also hab ich nach Alternativen gesucht. Wenn ein Anruf einkommt, gibt mir jetzt TrayFlow am Rechner bescheid. Das Programm bietet noch einige andere nützliche Features, die sich jeder selbst anschauen kann … Guten Zugriff auf die Dateien auf dem Router bietet mir OnTheFli, das ich aber nur bei Bedarf einsetze, weil es leider auch nicht immer ganz stabil läuft. Das kann aber an meinem Arbeitsrechner liegen, der nach jahrelanger Knechtschaft ganz allmählich in die Knie geht … 😉

Alles in allem habe ich nach ungefähr zwei Tagen intensiver Einarbeitung und einem weiteren Tag Feintuning meinen selbstgemachten Router hier rumstehen, der alles macht, was ich will, energiesparend läuft (die Festplatte schaltet in Ruhe nach 15 Minuten ab und das ist oft, Peripheriegeräte hängen nicht dran) und einen sehr stabilen Eindruck
macht. Ich bin begeistert. Und stolz! 😉

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