Das Seniorenpad (???) CAT Nova – Details unter Android 2.3

| 5 Kommentare

Dass das CAT Nova als Seniorenpad läuft, den Beweis ist es bis heute ehrlich gesagt schuldig. In der Version, wie ich sie Ende Dezember aus dem Karton geholt hatte, hatte es aber wie geschrieben schon versagt – es neigte zu Aussetzern.

Bevor ich das Pad erworben hatte, hatte ich aber auch schon gesehen, dass es ein Android-Update für das Gerät gab. Das ließ sich auch schnell finden (auf dem Gerät ist ein entprechendes Icon gewesen, das zur Webseite führte), man benötigte dazu außerdem eine SD-Card, ein USB-Kabel, einen PC und die Geduld, die Anleitung von Anfang bis Ende durchzulesen. Letzteres ist bei vielen Benutzern allerdings der größte Risikofaktor, wie man aus unzählichen Forenbeiträgen zum Thema lesen kann. Sie klicken einfach rum, meinen, sich ansonsten um nichts kümmern zu müssen und sind schnell überfordert. Sorry, muss man so deutlich aber mal sagen: Ab und zu hilft es, das Hirn dazu zu schalten.

Nach dem Update gab es gleich noch etwas für meine Bastlerseele: Ein Rootkit wurde auf dem Gerät mit bereitgestellt, so dass man das Gerät also „rooten“ und damit erweiterte Zugriffsmöglichkeiten nutzen kann. Zum Beispiel kann man so regelmäßig den Cache leeren lassen oder Backup-Apps laufen lassen, Werbeblocker oder Virenscanner. Wunderbare bunte Android-Welt!

Gemütlich eingerichtet habe ich mir überlegt, was denn so die Anforderungen wären an das seniorengerechte Gerät. Wobei ich den ersten Schritt ausgelassen habe: Die Bedienungsfreundlichkeit. Natürlich wäre es erst einmal nötig, das Gerät an die körperlichen Voraussetzungen des Besitzers anzupassen. Schrift- und Icongröße, Eingabefelder zum Schreiben etc.

Wer es mit einem Senioren oder einer Seniorin zu tun hat, der/die noch richtig Schreibmaschinen schreiben gelernt hat und jetzt wieder drauf los schreiben möchte, sollte die Verwendung einer externen Tastatur in Erwägung ziehen. Zum CAT Nova gibt es eine „Tastaturtasche“, eine Art Klappetui mit integrierter QWERTZ-Tastatur. Ist zu überlegen, ob die Mischung zwischen Bildschirmnutzung und Tastatur nicht verwirrend wirkt und ob man dann nicht gleich ein Net-, Note- oder Ultrabook ins Auge fassen sollte (zumindest wenn die Anforderungen dahingehend sind, dass auch mal längere Texte getippt werden sollen).

Für einfache Anwendungen sollte aber doch die reine On Screen-Bedienung reichen. Was möchten wir dem Senioren ermöglichen, was ist sinnvoll und nützlich?

  • Informationen über das Internet.
    • Hier könnte man anstatt des Standardbrowsers z.B. Opera auf das Gerät laden, das in der Bedienung zwar komplexer, aber auch komfortabler ist
    • Zu überlegen ist auch die Verwendung von LastPass, einem Online-Dienst, der Seiten-Passwörter verwaltet. Der bringt seinen eigenen Browser mit, kann aber auch in den Dolphin-Browser integriert werden, was letzteres aber wieder etwas mehr Bedienungsaufwand erfordert.
    • Es geht natürlich, für unterschiedliche Informationen auch unterschiedliche Apps einzusetzen. Es gibt Apps für die Google-Suche, für die Suche in wikipedia etc. Somit muss man nicht erst einen Browser öffnen (das geschieht nach der Suche automatisch), um an Informationen zu gelangen. Ggfs. sollte man das mit dem Benutzer durchsprechen und ihn ausprobieren lassen, welcher Weg ihm am wenigsten Mühe macht.
  • Einkaufsmöglichkeiten über das Internet. Besonders interessant im Fall meiner Mutter wäre tatsächlich der Preisvergleich bei Apotheken. Und dann gibts ja noch die ApothekenApp, die in der Apotheken-Umschau beworben wird. Die ist wohl das Geschäftsmodell der ortsansässigen Apotheken gegen die neue Macht der Online-Apotheken. Hier kann sich nämlich eine ortsansässige Apotheke beteiligen und wird an ein System angeschlossen, über das der Benutzer nicht nur Ort, Öffnungszeiten und Kontaktdaten ansehen, sondern auch direkt Bestellungen vornehmen kann. Noch besser: Mit der App können Beipackzettel abgerufen und häufig benutzte Medikamente gespeichert werden, auch über den Scan des Strichcodes auf der Medikamentenverpackung. Darüber aber später noch mehr.
  • Kommunikation
    • Telefonieren geht über das CAT Nova an sich nicht, denn es kann keine SIM-Karte eingesetzt werden. Natürlich kann man skype oder einen anderen Online-Dienst verwenden, um über das Internet zu telefonieren, bei entsprechenden Kosten.
    • E-Mails sind für viele Senioren mittlerweile auch eine alltägliche Kommunikationsform. Durch die Anbindung von Android an ein Google-Konto und damit Google Mail ist das natürlich problemlos machbar. Über den mitgelieferten USB-Adapter lässt sich auch ein USB-Stick verwenden, um Anhänge zu speichern (wenn man das nicht auf der SD-Karte machen möchte, die vielen zu filigran ist zum Herumtragen). Das Konzept des Dateiexplorers muss allerdings computerungeübten Personen erst genau erklärt werden.
    • Die DropBox ist eine weitere Möglichkeit, Daten auszutauschen. Auch hierfür gibt es eine App, die die Bedienung auch ohne das Öffnen des Browsers möglich macht.
  • Entertainment – im weiteren oder engeren Sinn.
    • Bildergalerie (die in Android integrierte Galerie ist für den Hausgebrauch sicher ausreichend)
    • mp3player (eine App mit Anbindungsmöglichkeit an DropBox wäre zu favorisieren)
    • Netzradio (habe ich noch nicht gesucht, gibt es aber sicher)
    • Online-Fernsehen (Zattoo beta z.B. funktioniert auf dem CAT Nova einwandfrei)
    • Online Fernsehzeitung (rtv z.B.)
    • YouTube
    • eBook-Reader (es gibt auch eine passable amazon kindle App). Allerdings haben TabletPCs gegenüber „echten“ eBook-Readern mit eInk-Technologie den Nachteil, die Augen schnell zu ermüden und sind für längere Texte nur bedingt geeignet.
    • natürlich Spiele!

Was sich bei meinem Test auch gezeigt hat: Die Kameras (das Gerät hat derer zwei an Bord, einmal auf der Geräterückseite zum Fotografieren (2 Megapixel), einmal auf der Vorderseite für Videochats 1,3 Megapixel)) eignen sich eigentlich für nichts. Ausgesprochen unscharfe Schnappschüsse werden da gemacht und der Versuch, die „bessere“ Kamera als Barcodescanner zu verwenden, ist kläglich gescheitert. Egal welche App eingesetzt wurde, die Kamera konnte das Bild nicht scharf genug einstellen und die Software den Barcode nicht erkennen. Auch die Apotheken App ist so um ein Feature ärmer.

Alles in allem ließ sich das Pad nun so nach und nach mit allen erdenklichen Features einrichten. Und wurde mehr und mehr unbrauchbar … Der Akku nach spätestens 4 Stunden leer, die WLAN-Verbindung ständig weg (und sie ließ sich nicht durch Abwarten oder einfache Handgriffe wieder zum Leben erwecken – manchmal half nur ein Neustart), das Gerät fror öfters mal ein, die Apps stürzten ab. Und die Verbindung via UMTS-Stick wollte immer noch nicht funktionieren. Allerdings, das Update auf Android 4 war inzwischen ernsthaft „angedroht“. Kann dies noch eine Geschichte mit Happy End werden?

Print Friendly, PDF & Email

5 Kommentare

  1. avatar

    Danke erstmal für den tollen Artikel, ich bin der Meinung das Senioren nie ein Tablet bedienen wollen werden. Denn es fällt Ihnen schwer diese Technik zu verstehen und diese umzusetzen.

  2. avatar

    Also der Bericht klingt so, als wäre das ein Tablet für Senioren, die in ihrem Berufsleben Ingenieur, Softwareentwickler oder Atomphysiker waren. Für alle anderen gilt wohl eher das, was @Bernd geschrieben hat. 😉

  3. avatar

    Hallo Bernd, hallo Jürgen,

    ich denke, einfache Informationssysteme haben schon eine Zukunft, und Android-Geräte werden über kurz oder lang auch wieder auf den Status eines „einfachen“ Systems zurückkommen. Momentan werden da noch eierlegende Wollmilchsäue draus, mit denen man nicht nur fernsieht sondern auch E-Mails abruft, Bürokorrespondenz erledigt udn 3D-Modelle erstellt. Wie am echten Computer eben. Das muss ja nicht verkehrt sein, aber da tut sich eine Nische auf für’s Einfache, die bisher nur noch nicht bedient wird. Wenn sonst niemand auf die Idee kommt, vielleicht sollte ich mir mal Gedanken darüber machen und Entwicklugnsideen sammeln? 😉

  4. avatar

    @Martina: Ich denke du hast Recht. Wirklich einfache Systeme könnten wirklich neue Zielgruppen erschließen. Aber was du über das Cat Nova schreibst, klingt eher so, als sollte der User mindestens mal das Vordiplom in Informatik oder einem Ingenieursstudiengang geschafft haben, wenn er damit Spaß haben will. 😉

  5. avatar

    Ich denke, ein Haufen Psychopharmaka um sich nicht aufzuregen genügt auch …

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.