Zehn Finger blind. Und swype.

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Ich denke manchmal darüber nach, ob mich die SMS-Daddel-Generation für daumenverkalkt hält. Wenn ich auf meinem Smartphone einen Text schreibe, mache ich das nämlich mit dem rechten Zeigefinger. Das Gros der jungen Menschen mit Smartphone gibt Texte mit den beiden Daumen ein, eine Angewohnheit die aus der Zeit stammt, als man SMSe noch über die Zahlentastatur am Handy geschrieben hat. So gesehen sind ja diese Leute auch Dinosaurier, denn Handys sind schon so gut wie ausgestorben und die Tastatur eines Smartphones kann zwar als Zahlenblock angezeigt werden wie früher, ist aber doch meistens eine QWERTZ-Tastatur, also mit „Knöpfen“, die so angeordnet sind wie die Tasten einer Computertastatur.

Die Anordnung der Tasten auf einer Tastatur aber stammt noch von Schreibmaschinen und wurde 1886 entwickelt und ab den 1920ern standardisiert. Ziel war es, die am häufigsten verwendeten Buchstabentasten räumlich voneinander zu trennen, da bei schneller Schreibweise sich sonst die Typenhebel der mechanischen Schreibmaschinen zu oft miteinander verheddert hatten, wenn sie nebeneinander lagen. Ich weiß nicht, wer meiner Leser noch mechanische Schreibmaschinen kennt und Typenhebelsalat am eigenen Leib miterlebt hat. Im schlimmsten Fall konnten durch so einen Salat die Typenhebel verbiegen und die Schreibmaschine unbrauchbar werden, ich selbst durfte aus diesem Grund erst ab einem Alter von ca. 10 Jahren alleine an die Familienschreibmaschine. Und damit alles seine Richtigkeit hatte, musste ich Zehn-Finger-Blindschreiben lernen, was ich also heute beherrsche und täglich anwende, jetzt an der Computertastatur. Mit dieser Methode tippe ich sehr viel schneller, als ich mit der Hand schreiben kann und annähernd so schnell wie gesprochen wird. Nicht umsonst gab und gibt es die „Stenotypistinnen“, die Texte vom Band abtippen können. Sie sind so sehr trainiert, dass ihre Schreibgeschwindigkeit der Sprechgeschwindigkeit entspricht.

Aber zurück zum Smartphone. Durch meine Zehn-Finger-Übungen fällt es mir schwerer als den Zwei-Finger-Such-Schreibern, die Buchstaben auf der Tastatur mit einem oder zwei Fingern ausfindig zu machen. Das A wird von mir nun einmal mit dem kleinen Finger bedient und niemals mit dem Zeigefinger, der Daumen ist nur für die Leertaste da. Und obwohl ich normalerweise sehr schnell tippen kann, wirke ich am Smartphone unbeholfen.

Für mich eine gute Alternative zur eingebauten Android-Tastatur meines Smartphones ist swype. Mit dieser Tastatur-Software tippt man nicht mehr einzelne Buchstaben, sondern „malt“ die Wörter mit einem Strich auf die Tastatur. Was zunächst unpraktisch und unmachbar erscheint, funktioniert erstaunlich gut, vor allem auch weil swype einen sehr großen deutschen Grundwortschatz enthält.

Es muss allerdings das Smartphone einigermaßen schnell sein und der Touchscreen gut. Bei meinem LG P500 funktioniert swype wunderbar, auf dem CAT Nova scheint der Bildschirm allerdings nicht so gut zu sein, obwohl von der Leistung her oft schneller als das LG, „reißen“ hier die Wörter oft mittendrin ab, so dass aus einem Wort zwei werden, die mit dem Beabsichtigten oft überhaupt nichts mehr zu tun haben.

Alles in allem bin ich mit swype mehr als zufrieden und wenn ich irgendwann mal ein „richtiges“ Smartphone habe und nicht mehr so einen kleinen, lahmen Kasten, werde ich es wieder installieren, weil ich mich doch schon sehr daran gewöhnt habe und es meine Schreibgeschwindigkeit enorm erhöht.

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